Insel der ungebrauchten, ungeliebten Körper

Und alles war ganz still, und ich bin gelaufen, weiter und immer weiter, und dann war plötzlich alles weg, und niemand und nichts war mehr da, in mir, und ich bin weitergelaufen und weitergelaufen, und plötzlich war ich auf dieser Insel der erschöpften, ungeliebten Körper, die langsam im Nebel verschwanden und sich auflösten am Horizont wie eine Bleistiftzeichnung, und alles wurde immer langsamer und langsamer und kein Geräusch, nichts war zu hören, alles lag nur da, wie eine Ewigkeit im Nebel, die schon immer dort auf mich gewartet hatte, und da waren nur diese ungebrauchten, ungeliebten Körper und strichen sich ganz sanft mit der Hand über die eigene Haut, berührten sich ganz vorsichtig, und niemand sagte etwas, und alle lagen da, und alles wurde immer langsamer und langsamer, und ich hörte meinen eigenen Atem, und das war das einzige Geräusch, und ich wusste nicht mehr, wie lange ich dort schon gelegen hatte, und ich sah kein Ende mehr, alles ging weiter und weiter und weiter und weiter, aber alles blieb immer gleich, und ich spürte nichts, und ich hörte nichts, und ich sah mich selbst, wie ich immer wieder, immer wieder ganz langsam in Zeitlupe langsam, ganz langsam zu Boden sank und dort liegen blieb, und nichts passierte, und da war kein Denken, keine Erinnerung, nur der Nebel und alles löste sich auf, und ich lag da am Wasser im Nebel und bewegte mich nicht, atmete und wusste: Hier bin ich jetzt. Das ist das, was ich geworden bin. Das hier. Das hier. Das hier. Das hier.

– Falk Richter 

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